Verfasst von: gregorhecker in: Oktober 29, 2009
Die sowjetische Armee führte in Afghanistan 1979-1989 ihren letzten Krieg und konnte ihn nicht gewinnen. Der afghanische Krieg hatte ihr Schicksal besiegelt. Eine der wichtigsten Institutionen des sowjetischen Staates, die Verkörperung der sowjetischen Supermacht schlechthin, ist durch diesen Einsatz ohnmächtig geworden. Zwei Jahre nachdem sie Afghanistan verlassen hat, brach die UdSSR auseinander. Die Rote Armee ist Geschichte geworden.
Wieso hatte der Afghanistan-Krieg eine derart vernichtende Wirkung auf die sowjetische Armee? Antworten auf diese Frage können verschieden sein, weil es verschiedene Standpunkte gibt. In dem Film „Zwei Schritte von der Stille entfernt“ (Dwa schaga do tischiny) aus dem Jahr 1991 sieht man einen Versuch, eine Antwort auf diese Frage aus Sicht der Armee zu geben.

„Zwei Schritte von der Stille entfernt“ erzählt die Geschichte eines sowjetischen Infanterieregiments drei Tage vor dem offiziellen Ende des Krieges. Das Regiment bekommt die Aufgabe, den Truppenabzug vor den Angriffen der Aufständischen zu sichern. Die Gruppe von Leutnant Kniasev hat den Befehl, eine vermutete Feuerstellung des Gegners zu finden. Er bekommt zwei Offiziere der afghanischen Armee als Helfer. Während seines Einsatzes müssen der junge Leutnant und seine Männer der Kompanie des Majors Tolmatschew helfen und einen Angriff der Modschahedins zurück schlagen. Nach mehreren kleinen Gefechten in den Bergen schlägt sich seine Gruppe ins Zielgebiet durch. Als er schließlich die Feuerstellung des Gegners findet, wird er durch den begleitenden afghanischen Offizier verraten. Die Gruppe verliert den Überraschungsmoment und verwickelt sich in ein Feuergefecht. Sie kann sich nicht rechtzeitig per Funk melden. Das Gebiet in dem sie sich befindet, wird von der eigenen Luftwaffe bombardiert. Man sieht den Leutnant Kniasev am Ende des Films in einem Stadtpark einsam auf einer Parkbank sitzen. Sein Gesicht ist entstellt. Er ist möglicherweise taub geworden. Plötzlich sieht er im Park drei gefallene Soldaten aus seiner Gruppe in der Parkallee fröhlich und lachend spazieren gehen.
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Verfasst von: gregorhecker in: Oktober 17, 2009
Die deutsche Popkultur hat das Thema des Afghanistan-Krieges noch nicht entdeckt. Würde man sich diesem Thema irgendwann widmen, so wäre ein Kinofilm das passende Mittel, mit dem man die Masse des Volkes erreichen könnte. Und wenn in der kommenden Zeit ein solcher Versuch unternommen wird, dann werden die Produzenten eines solchen Afghanistan-Films vor einer großen Herausforderung stehen. Der Geschmack der Popkultur und der afghanische Krieg befinden sich in zwei verschiedenen Welten. Die Thematisierung des Afghanistan-Krieges wird immer mit einer Verlockung zur Verdrehung des Realen zu tun haben.
Ein gutes Beispiel, wie für die moderne Massenkultur die Geschichte des Afghanistan-Krieges verdreht wird, bietet der russische Film „Die neunte Kompanie“. Der „beste“ russische Film des Jahres 2005 war ein lang ersehntes, großes Kinoereignis. Im Vergleich zu der amerikanischen Massenkultur, die eine große Zahl von Filmen über ihren Vietnam-Krieg produziert hat, gibt es über den letzten Krieg der Sowjetunion nur eine Handvoll Filme. Zum einen lag es daran, dass durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch kein Geld für einen großen Film aufgetrieben werden konnte. Zum anderen hatte man den Tschetschenien-Krieg – „ein kleines Afghanistan“ – über die Bildschirme real laufen. Erst mit der nationalen Konsolidierung und vollen Kassen der Putinszeit fühlte man sich stark genug, das heikle Thema anzupacken.
Es sollte ein Bondartschuk-Film werden. Der Name Bondartschuk symbolisierte bis jetzt die große Leistung des sowjetischen Films. Sergej Bondartschuk verfilmte den wirklich teuersten „Krieg und Frieden“ aller Zeiten , einen Film über den Großen Vaterländischen Krieg „Sie kämpften für das Vaterland“ und spielte eine bemerkenswerte Rolle in dem Film „Menschenschicksal“. Nun war der Sohn des Meisters, Fedor Bondartschuk, vorgesehen, das Werk des Vaters fortzusetzen. Er durfte einen teuren, patriotischen Film des neuen Russlands über den Afghanistan-Krieg machen.

Der Film „Die Neuente Kompanie“ erzählt die Geschichte einer Gruppe von jungen Männern aus dem sibirischen Krasnojarsk. Sie werden in die Armee eingezogen und müssen nach Afghanistan. Die offizielle Devise heißt – „die Völker im Bruderland Afghanistan gegen die internationale Aggression zu unterstützen“. Es ist das letzte Jahr eines Krieges, der in der Sowjetunion nicht als „Krieg“ bezeichnet werden durfte. Die Männer müssen vor dem Kriegseinsatz eine harte Ausbildung durchstehen. Der junge Soldat ist „Scheiße“, der Oberfähnrich ist „Gott“. Die Leiden der Ausbildung müssen ertragen werden, wenn man nicht als Leiche aus Afghanistan zurück kommen will, lautet das Ausbildungsprinzip. Als bei einer Übung der Soldat Worobej sich im Schützengraben in die Hosen macht, während ein Panzer über ihn rollt, verbietet der Ausbilder jeglichen Spott der Soldaten über diesen Kamerad, denn der Soldat Worobej „ hat seinen Auftrag erledigt und das ist es, was zählt“. Den Rest des Beitrags lesen »
Verfasst von: gregorhecker in: Oktober 10, 2009

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- Hallo Naum, Hast Du Ammoniumnitrat? Hast Du Zünder? – Die Tür öffnete sich und eine junge schlanke dunkeläugige und dunkelhäutige Frau in schwarz-grünem Pullover und schwarz-grünen Jeans mit einem eleganten, durch goldene arabische Schnörkel verzierten Gürtel der Schachiden, betrat das Zimmer. Den Rest des Beitrags lesen »
Verfasst von: gregorhecker in: Oktober 7, 2009
Prochanov: Ramzan, wie erklären Sie die jetzige Verschärfung der Lage im Kaukasus? Nach einer langen Ruhezeit kocht und raucht wieder alles. Ein neuer Krieg beinahe. Was ist der Grund für diese Verschärfung?

Kadyrow: Es gibt keine Verschärfung der Lage in Inguschetien und in Dagestan. Die Arbeit der Sicherheitskräfte davor war ungenügend. Banditen wurden in Ruhe gelassen. Sie sind nun stärker geworden und bekommen wieder Geld aus dem Ausland. Sie nutzen auch die Krise. Es gibt zum Beispiel zwischen Inguschetien und Tschetschenien Dörfer, die weder zu Inguschetien noch zu Tschetschenien gehören. Ich habe gesagt: „ Es gibt dort Banditen. Da ist das Nest. Aber man hat auf mich eine lange Zeit nicht gehört. Ich konnte jetzt mit dem Präsidenten von Inguschetien eine Einigung erzielen. Wir gingen in diese Dörfer und haben damit begonnen, die Banditen zu erledigen. Sie haben keine Vorräte und keine Munition mehr. Ein junger Mann kam gestern von der anderen Seite und erzählte, dass man dort kurz vor der Auflösung stehe. Ihre Feldkommandeuere behaupten, dass es bei Kadyrow keine Gnade mehr gibt, keine Amnestie, dass er sie alle bis zum letzten Mann liquidieren will.
Verfasst von: gregorhecker in: Oktober 4, 2009
In diesen Tagen spricht man in Russland über eine Schaschlik-Bude, die sich im Mittelpunkt einer Vergangenheitsbewältigungdebatte befindet. Physisch gesehen befindet sich die Bude direkt gegenüber dem Hotel „Sowjetischer“. Und wie die Toponomie nun mal im Volk praktiziert wird, nannte man die Bude in den alten Zeiten „Anti-Sowjetische“, entsprechend der griechischen Bedeutung des Wortes „Anti“ als „Gegen“. Man gönnte sich also unter der Herrschaft der Sowjets den „antisowjetischen“ Schaschlik.
Verfasst von: gregorhecker in: September 18, 2009
In Zeiten, wenn Deutschland den asymmetrischen Krieg in Afghanistan neu kennen lernt, ist man auf der Suche nach Möglichkeiten, die Besonderheit dieser Art des Krieges richtig zu verstehen. Wenn es um die Definition des Begriffes geht, so weiß man, dass die Theorie immer grau ist. Die deutsche Wikipedia deutet es folgendermaßen: „Asymmetrische Kriegführung bezeichnet militärische Auseinandersetzungen unter Parteien, die waffentechnisch und strategisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind.“ Vereinfacht gesagt – Kein offener Kampf von Gleichen im Felde, Mann gegen Mann, sondern etwas anderes.
Etwas anderes, dass die Militärführung oft, trotz dem Vorhandensein von gewaltigen Waffen und Truppen, ihrer scheinbaren Überlegenheit, vor die Möglichkeit gebracht wird, gegen einen schwachen, normalerweise nicht ernstzunehmenden Gegner, den Krieg zu verlieren.
Das Wesen dieses Krieges kann man vielleicht besser verstehen, wenn man auf die Erfahrungen anderer Länder aufmerksam wird. Die Wikipedia gibt einen Hinweis auf Russland. Russland gehört zu den Ländern, das mit dem asymmetrischen Krieg bestens vertraut ist. Er wird auch gründlicher wahrgenommen als man es im Westen tut. Nicht zuletzt, weil dieser Krieg zu einem Teil der existenziellen Erfahrung vieler Menschen in Russland, angefangen mit dem Krieg in Afghanistan und danach, mit den Kaukasus-Kriegen, geworden ist. Dem besseren Verständnis dieser Erscheinung trägt auch die Filmkunst bei. So überrascht z.B. der Film von Alexander Rogoschkin „Blockposten“ (irrsinniger Weise lautet die offizielle deutsche Übersetzung „Checkpoint“) aus dem Jahr 1998 durch tiefe Einsicht in das Wesen des asymmetrischen Krieges. Rogoschkin sagt durch seinen Film deutlich: Es ist kein Krieg zwischen Gleichen, Mann gegen Mann, sondern ein Krieg der Ungleichen – Frau gegen Mann.
Verfasst von: gregorhecker in: September 9, 2009
Gehen wir mal davon aus, dass es in Russland keine Pressefreiheit gibt und die Medien unter Kontrolle stehen. Das würde bedeuten, dass es nur die gewünschte, gewollte Meinung und keine abweichende Meinung geben darf. Deswegen hört sich das, was der Chefredakteure des populären Radiosenders Rusnovosti (etwa vergleichbar mit dem Deutschlandfunk), Sergej Dorenko, am 7.September 2009 während seines Programms „Aufstehen!“ den russischen Zuhörern gesagt hat, ziemlich seltsam an.
Den äußeren Grund für den Wutausbruch des Chefredakteurs gab das Interview des russischen Oligarchen Wladimir Potatin. Dieses Interview wurde am 07.September in der Zeitung Vedomosti gedruckt.
Mit der brüllenden Stimme eines afrikanischen Löwen empfahl Dorenko den russischen Superreichen, den sogenannten Oligarchen, den „Strick einzuseifen und sich auf dem Klo zu erhängen“. Da der Radiosender nicht unbedeutend ist und eigentlich die offizielle Sicht des russischen Staates deutet und vermittelt, ist es nicht uninteressant zu lesen, was Dorenko sagte, um anschließend zu fragen, ob es bald eine Säuberungswelle gegen die russischen Superreichen geben könnte. Seine Rede ist an einigen Stellen etwas vulgär, was aber viel mehr den Ausfall aus dem Korrekten unterstreicht. Ein Donnerschlag im friedlichen Äther des Landes, in Deutschland unmöglich und nicht nach gesittetem Geschmack.
Doch ob es einfach ein Ausdruck der  Geschmacklosigkeit, oder eine Kocharbeit an der russischen Volksstimmung ist, das wird uns die Zeit zeigen.
Verfasst von: gregorhecker in: September 5, 2009
Berichte der deutschen Presse über die Ereignisse im russischen Kaukasus sind stets im Geiste der Tradition. Im Kontext der symbolischen Sprache verliert Moskau entweder ständig die Kontrolle über den Nordkaukasus oder man hat mit einem Pulverfass zu tun, das kurz vor einer Explosion steht. Google kennt 20 500 „Kaukasus Pulverfass“ Einträge.
In den letzten Tagen hatte wahrscheinlich die Deutsche Welle Lust, die anderen Kollegen zu toppen und veröffentlichte am 02.02. 2009 einen Artikel mit dem Titel – „Russlands Politik im Kaukasus“. In diesem Artikel gibt es einen wahren Satz:

Würde dieser Artikel nur aus diesem einzigen Satz bestehen, so wäre er wegen der klaren Einsicht des höchsten Lobes wert. Denn das ist die Wahrheit. Man kann sogar behaupten, dass es in Deutschland kaum einen Experten gibt, der sich im Nordkaukasus exzellent auskennt. Grund dafür ist nicht der Mangel an schlauen Köpfen in Deutschland, sondern die nordkaukasischen Umstände. Viele Fragen stellen und lange in den nordkaukasischen Republiken bleiben, ist für einen Ausländer schwer möglich. Westliche Journalisten tauchen dort wie Eintagsfliegen auf und fliegen schnell weiter. Die anderen verzichten auf eine Reise dorthin und malen aus vielen verschiedenen Meldungen ein passendes Bild für den Bedarf des Tages. Den Rest des Beitrags lesen »
Verfasst von: gregorhecker in: September 2, 2009
Über den Zweiten Weltkrieg gibt es viele Dokumentationen. Sie werden gezeigt, wenn man ein historisches Ereignis an seinem Jahrestag feiert. Dabei hat man oft mit Wiederholungen von Wiederholungen zu tun. Man kennt die alten Aufnahmen fast schon auswendig. Es kommt auch wenig Neues oder Unbedeutendes dazu.Kurz vor dem siebzigsten Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges sieht man sie wieder auf den Bildschirmen laufen. Auch in Russland präsentierten die Sender neue Dokumentationen zu diesem Thema. Dokumentationen, die die gegenwärtigen Stimmungen des Landes wiedergeben. Die lockere Haltung, die man nach dem Ende des Kalten Krieges hatte, hat sich verhärtet. Während man sich in den letzten Jahren mit Stalins Verbrechen schwer beschäftigte, kam es zu einer Drehung der Geschichte infolge von politischen Prozessen in osteuropäischen Staaten. Die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges schiebt man nun auch Stalin zu. Und so sieht man sich in Russland gezwungen, Positionen klar zu machen, sie zu verdeutlichen.

Verfasst von: gregorhecker in: August 23, 2009
Junus-Bek Jewkurow ist wieder fit. Es ist sein erstes Interview nach dem Krankenhausaufenthalt infolge des Anschlages auf ihn. Das Interview wurde von Sergej Dorenko, dem Chefredakteur des Radiosenders Rusnovosti, gemacht. Jewkurovs Sicht auf die heutige Situation im Kaukasus ist die eines Menschen, der im inneren Kreise des Prozesses steht. Dieses Interview ist kein sauber gemachtes PR-Stück des Präsidenten von Inguschetien, sondern ein offenes Gespräch. Wer sich für die Lage im Nordkaukasus ernsthaft interessiert, wird durch die Aussagen von Jewkurow viel erfahren und verstehen. In dieser Übersetzung ist das Interview gekürzt. Man findet das Original auf der Internetseite www.rusnovosti.ru .
Darüber, wie es Jewkurow nach dem Anschlag geht und ob die Köpfe rollen werden.
Dorenko: Ich schlage Ihnen ein Spiel vor. Nehmen wir an, ich bin Ihr Stabschef. Wir gehen jetzt nach Inguschetien zurück. Wie sehen unsere nächsten Schritte aus? Müssen die Köpfe rollen?
Jewkurow: Also die Köpfe. Als erstes: Denjenigen, die es verdient haben, hat man innerhalb von 3-4 Wochen nach dem Anschlag die Köpfe abgerissen. Die Auftraggeber, die Anführer sind schwer zu fassen. Aber wir kriegen sie noch. Da wird es keine Verjährung geben. Und die Bande, die es gemacht hat, wurde bereits liquidiert.
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